Was gehört zu einem guten Leben und was ist eine Hochschule?  

16.05.2011 

Ungewöhnliche Fragen warfen die 20 Grundschüler des Familienzentrums der Stadtmission bei ihrem Besuch an der Hochschule Pforzheim im April 2011 auf. Zusammen mit studentischen Hochschulgruppen hat Dr. Jürgen Volkert, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule, ein Projekt initiiert, in dem die Erwartungen der Kinder erfragt werden. Was bedeutet ein gutes Leben für die Schülerinnen und Schüler? Erste Ergebnisse des Projektes werden zum Ende des Sommersemesters 2011 erwartet.

„Wir fragen die Kinder direkt“, erläutert Professor Jürgen Volkert das Konzept. Hier unterscheidet sich das Projekt deutlich von anderen Studien, die nur Eltern oder Institutionen nach den Perspektiven von Kindern befragen. Um möglichst authentische Antworten und Meinungsbilder einzufangen, haben sich etwa ein Dutzend Studierende, Dr. Jürgen Volkert, der Ethikbeauftragte der Hochschule Pforzheim sowie Iris Sadlowski, Sozialarbeiterin und Volkswirtin an der Universität Tübingen einiges einfallen lassen. Ein Großteil der Studierenden hat inzwischen im Familienzentrum hospitiert, um mehr über die Lebenswelt der Kinder zu erfahren. Sie haben mit ihnen Hausaufgaben gemacht und gemeinsam gespielt. So haben sich Kinder und Studierende immer besser kennengelernt –  eine entscheidende Basis um gegenseitiges Vertrauen aufzubauen.

Und die Grundschüler geben nicht nur jede Menge Antworten, sie haben auch ganz viele Fragen! Bei ihrem Besuch an der Hochschule im April 2011 stand Professor Volkert Rede und Antwort. „Bist du gerne Professor?“, „Muss man für ein Studium früh aufstehen?“ oder „Wieso noch eine Schule, wo es doch schon so viele gibt?“ Das Interesse der Kinder im Hörsaal war ungebremst. „Welchen Schulabschluss brauche ich, um zu studieren?“ oder „Was ist Wirtschaft?“ Die gezielten Nachfragen zeigten deutlich, dass die Kinder nicht nur am Hochschulgebäude, dem Campus, den Computerräumen oder der Cafeteria Interesse haben.

Für die Studierenden, die in den Hochschulinitiativen von sneep (Studentisches Netzwerk für Wirtschafts- und Unternehmensethik) oder UNICEF aktiv sind, ist die direkte Arbeit mit den Grundschülern eine vollkommen neue Projekterfahrung. Direkte Antworten, Neugier und spontane Reaktionen verlangen von ihnen einen anderen Umgang als wissenschaftliche Studien in Unternehmen, aber auch ein sehr hohes Maß an sozialer Kompetenz. „Es macht Spaß!“ erklären die zwölf Studierenden. Über genau durchdachte Rollenspiele hat die Projektgruppe die Erwartungen der Kinder eruiert. Die Geschichten helfen den Kindern dabei, ihre Gedanken frei zu entwickeln. Wie schätzen sie ihre Situation ein und wie möchten sie in den kommenden Jahren leben? „Geschichten erzeugen eine tolle Atmosphäre und begeistern die Kinder“, betont die Sozialpädagogin Petra Patotschka, die das Familienzentrum Nord leitet. Das Projekt findet im Rahmen der Pforzheimer Initiative gegen soziale Ausgrenzung (PIA) statt, das vom Sozialministerium finanziell unterstützt wird. Bis zum Ende des Sommersemesters werden erste Ergebnisse zusammengefasst.

Im Mai 2011 diskutieren die Projektverantwortlichen mit Vertretern und Interessierten aus Pforzheim über die Zwischenergebnisse und mögliche weitere Schritte im Familienzentrum. An Fragestellungen mangelt es bei diesem Pilotprojekt nicht. Sowohl die Verantwortlichen im Familienzentrum als auch Professor Volkert und die Studierenden wünschen sich eine Fortsetzung.

Seit knapp zwei Jahren ist das Familienzentrum in der Nordstadt am Start. Das Konzept – eine hervorragende Betreuung, kleine Gruppen, gezielte Förderungen – ist geprägt vom gegenseitigen Respekt und dem Versuch, die Eltern der Grundschulkinder mit ins Boot zu holen. Unterstützt wird die Arbeit der Sozialpädagogen durch viele ehrenamtliche Helfer. Inzwischen hat sich der Ruf des Familienzentrums herumgesprochen und die Plätze sind sehr gefragt.