Mode ist Kulturgeschichte und trotzdem tragbar!
Trauer um Professorin Ingrid Loschek
Mode ist Teil unserer Kultur – für die Anerkennung dieser Tatsache setzte sich Ingrid Loschek engagiert ein. Die Professorin für Modegeschichte und –theorie an der Hochschule Pforzheim wollte Mode den Menschen näher bringen, neugierig machen und Lust auf Neues wecken. Dabei versuchte die gebürtige Wienerin Mode aus dem „seichten Trallalla“ der „bunten Blätter“ herauszulösen, sie kulturgeschichtlich einzuordnen, erklärbar aber vor allem „erlebbar“ zu machen. Sie liebte die Modegeschichte, sie analysierte Zeitströme und kulturelle Hintergründe; aber vor allem konnte sie sich für Mode – ausgefallen und spielerisch – begeistern. Ingrid Loschek trug Modelle der Studierenden und appellierte an den Mut, Ausgefallenes zu tragen.
1950 in Wien geboren studierte Ingrid Loschek Theaterwissenschaften, Kostümkunde und Kunstgeschichte in Wien, London und Manchester. Nach ihrer Promotion 1973 in Wien entdeckte sie ihr künftiges Metier. Modegeschichte im 20. Jahrhundert war bis dato ein eher stiefmütterlich besetztes Fachgebiet. Vielfach belächelt und immer wieder um wissenschaftliche Anerkennung kämpfend, erarbeitete sich Ingrid Loschek einen herausragenden Ruf. Sie verfasste Standardwerke wie „Reclams Mode- und Kostümlexikon“ oder „Wann ist Mode?“. Ingrid Loschek war Gastlektorin an der Harvard University, an der Japan Women’s University Tokio sowie an der Helwan University in Kairo. Sie wurde gefragte Gesprächspartnerin für die Medien. 1998 erhielt Professorin Loschek den „Modeinitiativpreis der Kulturfördergemeinschaft der Europäischen Wirtschaft“ mit der Begründung, „sie habe Mode- und Kostümgeschichte als wissenschaftliche Disziplin überhaupt erst etabliert“. Ihr Plädoyer lautete „Mode ist Kultur – genauso wie Kunst!“
Die Soziologie der Mode, die Geschichte der Mode und ihre Theorie - Ingrid Loschek war auf diesen Gebieten eine anerkannte Kapazität. Klare Worte, treffend formulierte Arbeiten und dabei eine mitreißende Persönlichkeit, die Wahlmünchnerin war seit 1985 der Hochschule Pforzheim eng verbunden. Nach Lehraufträgen wurde sie 1995 als Professorin in den Studiengang Mode berufen. Sie wagte den Blick über den Tellerrand, fragte nach den Grenzen der Mode, ihren Wurzeln und den kulturellen Zusammenhängen. Professorin Dr. Ingrid Loschek verstarb im Alter von 60 Jahren am Freitag, 5. März 2010.
Die Hochschule Pforzheim verliert mit Ingrid Loschek eine Expertin, eine Kollegin, eine Forscherin, eine Sucherin, eine Vermittlerin, eine Moderatorin, eine Hochschullehrerin und eine Freundin.
Die Beerdingung findet am Freitag, 12. März 2010, 11 Uhr, Neue Aussegnungshalle, Gräfelfing (München), Großhadender Straße 2, statt. Anstelle von Blumen und Kränzen wird im Sinne der Verstorbenen um Spenden zugunsten der Bayerischen Krebshilfe gebeten. Konto: 2 124 774, BLZ 700 400 41, Commerzbank München, Stichwort "Ingrid Loschek"
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