Kunst
Fächerübergreifendes Grundlagenstudium
Grundlagen Kunst
Die Praxis der Kunst bietet ein Terrain für äußerst vielfältige Experimente. Eine Domäne der modernen Kunst bezieht sich auf unterschiedliche Praktiken, Kunst zu machen und die dabei entstehenden Prozesse zu reflektieren. Kubismus als erste Form einer konzeptuellen Malerei, Surrealismus, ConceptArt, Postmoderne und Dekonstruktion sind Stationen dieser Entwicklung. Sie schaffen Voraussetzungen für den Entwurf medialer Wirklichkeiten. Im Unterschied zum alltäglichen Mediengebrauch sind in künstlerischer Arbeit die Bedingungen des Machens sichtbarer Teil des Schaffensprozesses. Das bedeutet, künstlerische Tätigkeit entwirft Strukturen und Regeln, die Kunst erst möglich machen. Sie schafft dabei Konventionen, die immer auch wieder zur Disposition gestellt werden. Künstlerische Arbeit ist Formen und Umformen, Konstruieren und Dekonstruieren: unterschiedliche Methoden ein und derselben Tätigkeit.
In dieser Phase des Studiums bleibt die Kunst möglichst noch auf Distanz zum Design. Doch vergleichbar der Differenz von Kunst und Alltag wird auch die Distanz zum Design als ein dialektisches Verhältnis produktiv genutzt. Innerhalb dieser komplexen Strukturen kennt die künstlerische Praxis auch den unmittelbaren Umgang mit den Materialien und Werkzeugen in Zeichnung, Malerei, Skulptur, Fotografie und Video. Es geht ums Machen, Wahrnehmen, Beobachten, Reflektieren. Zwischen Spontaneität und Kalkül öffnen sich Perspektiven für individuelle Entwürfe.
Zeichnung und Malerei sind manuelle Aktionen, die aber ebenso den Einsatz des ganzen Körpers in Anspruch nehmen können, so dass am Ende die Performance steht, die wiederum über Fotografie und Video medial transportiert werden kann und auf diese Weise den Prozess kontinuierlicher Transformation sichtbar macht. Zeichnung und Malerei schaffen Formen, Figurationen, Farbkonstellationen und Kompositionen. Und alles kann wieder zunichte gemacht werden. Skulptur und Raum schaffen Beziehungen zwischen separat existierenden Phänomenen, bieten Orientierung und spielen mit Möglichkeiten der Desorientierung. Mehr als in der Malerei werden Alltagserfahrungen mit ins Kalkül genommen, um die Übergänge zum Design zu probieren. Ebenso schaffen technische Medien Möglichkeiten, das eigene Tun zum Gegenstand der Beobachtung zu machen. Fotografie und bewegte Bilder sind schon von den Apparaten her dem alltäglichen Mediengebrauch näher. Dennoch lassen sich gerade bei diesen Tätigkeiten die Mechanismen der Kunst einsetzen, um eine Brechung gewohnter Handlungen zu erreichen.
Das zugrunde liegende Konzept von Kunst schließt Aspekte des Sehens ein, die das Beobachten, beispielsweise das Fotografieren, beobachten. Zwei Stufen der Beobachtung machen die Reflexion des jeweiligen Standpunkts möglich. Das Wort »video« heißt »ich sehe«. Wenn ich die Welt durch die Videokamera beobachte, bedeutet das immer auch, dass ich mein Sehen sehe, mir der Bedingtheit meines Sehens bewusst bin. Wir lernen, dass die Wahrnehmung der Welt relativ ist und dass die Medien je eigene Weltsichten produzieren.
Das medienbedingte Gestalten von Wirklichkeit impliziert Bedingungen, die sich verallgemeinern lassen, auch wenn es immer Individuen sind, die gestalten.
Die Lehrangebote sind individuell und unterschiedlich. In den Arbeiten der Studierenden spiegeln sich die Unterschiede in der Lehre, eine Chance, das selbst Gestaltete als die eigentliche Bedeutung gegenüber den Arbeiten der anderen Studierenden zu begreifen. Kunst als Terrain der Reflexion markiert einen hohen Anspruch. Doch das Verhältnis von Studieren den und Lehrern basiert auf eben diesem Anspruch. Denn jede Korrektur oder Kritik der Arbeiten der Studierenden setzt im Idealfall einen Diskurs in Gang, der ebenso untereinander gelingen sollte. Hier zeigt sich der eigentliche Sinn des Studiums.
Im Hinblick auf das Design industrieller Produktion bietet die Kunst das Experimentierfeld, in dem Grenzen verschoben und Widersprüche probiert werden. Es sollte möglich sein, Gestaltung als etwas zu begreifen, das selbst wieder durch Gestaltung relativiert wird. Wahr nehmen und Handeln sind Voraussetzungen unserer Beziehung zur Welt. Künstlerische und gestalterische Tätigkeiten schaffen Möglich keiten, diese Voraussetzungen neu zu gestalten. Kunst sucht heute die Differenz zum gewohnten Alltag, um ihn zu thema tisieren. Künstlerische Praxis interpretiert aber ebenso Kunst, Design und andere Phänomene der Kultur.
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