Bachelor-Studium 

Bachelor of Arts in Schmuck und Objekte der Alltagskultur

1.1 Kurzportrait
Sich schmücken gehört zum Wesen des Menschen. Dabei hat der Schmuck den Auftrag, Wirklichkeit zu reflektieren, Identität zu schaffen und das Leben transfunktionell mitzu-gestalten. Schmuck kann Mittler zwischen dem Ich und dem Anderen, Katalysator im Wechselspiel zwischen der Innen- und Außenwelt, Scharnierstelle zwischen dem Eigenen und dem Fremden sein. Schmuck hat etwas mit Kultur in ihrer elementarsten Form zu tun, mit dem Zusammenleben einzelner Individuen, mit dem Sich-Einordnen und Abgrenzen in und von einem bestimmten gesellschaftlichen Umfeld. In diesem Sinne ist Schmuck eine urmenschliche Ausdrucksform, eine ästhetische Sprache, die einem oder einer einzelnen Person die Möglichkeit bietet, sich innerhalb einer bestimmten soziologischen, historischen und kulturellen Realität zu positionieren und manifestieren .

Objekte der Alltagskultur gehören ebenso existentiell zum Wesen des Menschen. Von der profanen, ersten "Verlängerung" des menschlichen Körpers als Hilfswerkzeug, bis zum Bestandteil persönlicher und gesellschaftlicher Rituale. Mit ihnen definieren und navigieren wir unser Umfeld. Die Beziehung zwischen uns und den Objekten, die wir zur Gestaltung unseres täglichen Lebens aussuchen, steht in einem Wechselspiel zwischen Dynamik und Statik, Bewusstem und Unterbewussten, purer Sinnenfreude bis zur kritischen Auseinandersetzung mit deren Definition, Funktion und Sinn. Immer stehen sie im Dialog mit uns und der Gesellschaft, kritisch wie auch zukunftsweisend.
Schmuck und Objekte der Alltagskultur zu studieren heißt, sich auf die erwähnten, vielschichtigen Bedeutungsebenen und gestalterischen Möglichkeiten einzulassen. Vor allem sollen die Studierenden in Kenntnis verschiedener Techniken und Überlie-ferungen ihre eigenen individuellen und subjektiven Kriterien entwickeln, als tragfähige Basis eines souveränen Umgangs mit Traditionen. Es geht darum, "tradierte Vorstellungen, Erwartungen und Untersuchungen zu lockern, das Unbekannte, Vieldeutige und Rätselhafte zuzulassen, Witz und Paradoxien zu formulieren, die Fähigkeit zur Beobachtung und Aufmerksamkeit zu schärfen, Scharfsinn und Geistesgegenwart freizusetzen: Fertigkeiten, die zukunftsweisende Qualitäten in sich bergen." Diese grundsätzlichen Charakteristiken finden sich bei allen Varianten im Bereich Schmuck und Objekte der Alltagskultur, egal ob es sich um Unikate, Multiples oder industriell hergestellte Massenware handelt.

Die Übergänge zwischen den Varianten sind dabei fließend. Der Schwerpunkt Schmuck oder Objekte der Alltagskultur wird von den Studierenden nach Wahl der spezifischen Projektarbeiten gesetzt.

1.2 Berufsbild
Professionelle, künstlerische Schmuckgestalter/in oder Entwerfer/in von Objekten der Alltagskultur.
Das Arbeitsfeld umkreist die selbständige Ateliertätigkeit mit Ausstellungen in Galerien bis zur industrie-integrierten Zusammenarbeit und Umsetzungen in der Serien-produktion.
Die Absolventen sind in der Lage, ihrerseits Lehrtätigkeiten aufzunehmen.

1.3 Ziele des Studiengangs
- Künstlerische Sicherheit in der Gestaltung und im Handwerk
- Innovatives Denken und Handeln in der Umsetzung
- Entwicklung einer persönlichen gestalterischen Haltung
- Reflektieren des eigenen Tun
- Kenntnisse der technischen Möglichkeiten
- Techniken neuartig anwenden
- Präsentation und Promotion der eigenen Werke
- Hohe kreative Qualität mit Rentabilität verkoppeln
- Strategische Kalkulationen
- Eigene Werke und eventuelle Patente marktwirtschaftlich platzieren

1.3 Lehrgebiete
• Grundlagen der Gestaltung
• Kulturwissenschaften
• Design und Business
• Designtools
• Techniken & Materialien
• Schmuck- & Objekte der Alltagskultur-Wissenschaften
• Lehrgebietsübergreifende Projektarbeit

1.4 Beschreibung der studiengansspezifischen Lehrgebiete Schmuck und Objekte der Alltagskultur

Techniken und Materialien
Die Studierenden werden im Laufe ihres Studiums in verschiedenen traditionellen und neuen Techniken eine solide Kenntnis erwerben, und ihre eigenen, individuellen Kriterien zu diesen Kenntnissen entwickeln. Diese Basis schafft die Möglichkeit souverän mit der Tradition und neuen Techniken wegweisend umzugehen. Ein be-fruchtendes Spiel wird nicht nur zwischen neuen, artfremden und traditionellen Techniken, sondern auch Materialien und Gewohnheiten erprobt. Durch eine bewusst eingesetzte Vermischung von Klassischem und Modernem wird ein neuer, schöpferischer Bezug zum Alltag geschaffen. Die Studierenden werden in ihrer sub-jektiven Suche nach Kriterien zur Entwicklung innovativer Schmuckstücke und Ob-jekte der Alltagskultur maßgeblich unterstützt.
Die hervorragende technische Einrichtung der Werkstätten, sowie die fachliche Betreuung, erlauben eine fundierte technische Ausbildung, die im internationalen Vergleich einzigartig ist.

1.4.1 Wissenschaften von Schmuck & Objekte der Alltagskultur
Die Wahrnehmung des eigenen Ichs bedeutet immer auch Reflexion im Anderen. Identität entwickelt sich erst im Dialog mit seinem Gegenüber. Wir projizieren das Bild unseres Selbst auf kulturelle und gesellschaftliche Bedingungen und internalisieren gleichzeitig soziokulturelle Bedeutungen, Normen und Werte. Diese stehen im Dialog mit der Geschichte und der Tradition unserer Kultur und Gesellschaft. Schmuck und Gegenstände des Alltags verweisen deutlichst auf dieses Wechselspiel.
Die Geschichte des Menschen in ihrer kulturellen Vielfalt ist unzertrennlich verknüpft mit der Entwicklung von Schmuck und Objekte der Alltagskultur. In ihnen ist der Gebrauch, die Bedeutung und der Wert definiert, sowie die Entwicklungen über die Jahrtausende. Diese Kenntnisse sind wichtige Referenzen für das eigene Schaffen.
 Das eigene Schaffen lebt durch die Vermittlung. Die Gestaltung, das Material und die Technik vermitteln die Intention. Eine intellektuelle Auseinandersetzung des eigenen Tuns ist in diesem Prozess ebenso unentbehrlich. Daher sind fundierte Kenntnisse aller Schmuck Techniken und neuen Entwicklungen, nebst einer ebenso fundierten künstlerischen Ausbildung eine wichtige Voraussetzung. Nur so kann eine Sicherheit in der Gestaltung innerhalb des breiten Bandes von Autorenschmuck bis zur industriellen Massenproduktion garantiert werden.
Ein andere Art der Vermittlung des eigenen Schaffens ist das Verständnis für die spezifischen Ausstellungsmöglichkeiten. Dieses Verständnis ist der letzter Schritt in der Verantwortung und in der Förderung des eigenen Werkes. Somit wird das Werk mit dieser Begleitung in die Gesellschaft getragen. Es erhält die Chance zur kulturellen Mitwirkung der gesellschaftlichen Entwicklung beizutragen.

1.4.2 Lehrgebietsübergreifende Projektarbeiten
Der Schwerpunkt der gestalterischen Entwicklung erfolgt in den Projektarbeiten. Daher sind die Projekte für Studierende im Schmuck und Objekte der Alltagskultur von großer Bedeutung. Das Thema des Projektes ist als vorgeschlagene Basis und Ausgangspunkt zu verstehen. Die Studierenden sollen neue gestalterische Ansätze, die sie mit den erlernten Techniken und Materialkenntnissen umsetzen, entwickeln. Je nach Thema des Projektes wird die Arbeit im Bereich der Autorenschaft, der Multiples, der Massenproduktion oder in einer alleinigen Recherche liegen. Eigene Themen-Vorschläge sowie die Wahl von Fachvertiefungen in anderen Bereichen spielen eine wichtige Rolle in der individuellen Gestaltung und Vertiefung des Studiums.
Die Spezialisierung auf Schmuck oder die Gestaltung von Alltagsgegenständen wird mit der entsprechenden Auswahl der Projektarbeiten sowie die Thesis erreicht.

1.4.3 Perspektiven nach dem Studium
Die Tätigkeit als professionelle SchmuckgestalterIn oder EntwerferIn von Objekten der Alltagskultur, als selbständige GestalterIn oder im angestellten Verhältnis in einem Atelier oder einem Industriebetrieb. Die Absolventen/innen sind in der Lage, auch Lehrtätigkeiten aufzunehmen. Sie zeichnen sich durch ein hohes künstlerisches Niveau im internationalen Vergleich aus.

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