Pforzheimer Forschungsbericht Nr. 11: Optimierung    

der Leistungsfähigkeit manueller Kommissioniersysteme  

Die Logistikbranche nimmt dem Umsatzvolumen nach in Deutschland nach der Automobilwirt­schaft und dem Maschinenbau den dritten Rang ein. Europaweit geht man davon aus, dass in etwa 25 Prozent der Logistikleistungen im Bereich der Lagerlogistik erbracht werden. Dort behauptet das klassische „Mann zur Ware“-Prinzip mit manueller Kommissionierung aufgrund der höheren Flexibilität und niedrigeren Investitionskosten neben automatisierten Prozessen seinen Platz. Die Kommissionierprozesse werden durch Lagerverwaltungssysteme (LVS) und Warehouse Management Systeme (WMS) gesteuert, deren Hersteller größtenteils kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) sind. Das Ziel des vom BMBF im Forschungsbereich „Softwaresysteme und Wissensverarbeitung“ der Ausschreibung „KMU-Innovationsoffensive“ geförderten Projektes RoKoKo bestand darin, für ein im LVS-Bereich tätiges KMU eine innovative Komponente zur zukunftsorientierten Positionierung im Markt zu entwickeln und in realen Anwendungsfällen zu validieren. Diese Komponente hat das Ziel, die Leistungszuverlässigkeit in der manuellen Kommissionierung zu erhöhen.

Der entwickelte Softwareprototyp besteht aus vier Modulen. Grundlage für die drei Anwen­dungs­module ist der Netzwerkgenerator, in dem ein digitales Lagernetz mit Knoten und Kanten zur Abbildung der Lagergeometrie einschließlich der Lagerplätze erstellt wird. Die Reihenfolge­optimierung ermöglicht eine Optimierung der Kommissionierdauer, indem für einen Kommissio­nier­auftrag die kürzesten Wege zwischen den einzelnen Auftragspositionen berechnet werden. Die RoKoKo-Planungskomponente liefert eine Abschätzung der Abwicklungsdauer für die vorlie­gen­den Kommissionieraufträge sowie des Personalbedarfes. Der Personalplaner nutzt die Infor­ma­tionen, um eine kontinuierliche Auslastung des Personals zu erzielen und Belastungs­spitzen mit einer intensiven und damit kollisionsträchtigen Belegung von Lagergängen und Regalplätzen zu vermeiden. Durch die Pickplatzvisualisierung können stark frequentierte Entnahmeorte identi­fi­ziert und analysiert werden, um die Kommissionierabläufe durch Austausch von Lagerplätzen zu optimieren.

Die RoKoKo-Komponente wurde mit zwei Anwendungspartnern aus den Bereichen Consumer Electronics und Holzverarbeitung/Holzhandel getestet und evaluiert. Aufgrund der Charakte­ris­tika der Lagerlogistik und insbesondere der Abläufe im Kommissionierbereich resultierten unter­schied­liche Einsatzprofile und Anwendungsergebnisse. So ergab der Einsatz der Reihenfolge­optimie­rung bei einem Partner ein Potential von 7,4% bezogen auf die Gesamtlänge der Kommissionierwege, während beim anderen Partner durch den Einsatz der Planungskom­po­nen­te in der Verladezonenplanung für einen Tag eine potentielle Reduktion der Fahrwege der Gabelstapler von etwa 12 km nachgewiesen werden konnte.

Mit den Modulen der RoKoKo-Komponente sind innovative Bausteine für die Optimierung der Lagerlogistikabläufe geschaffen, die den Ausgangspunkt für weitere Ansätze wie die Szenarien­berechnung im Vorlauf von Lagerumbauten oder die Auswahl geeigneter Kommissionier­strategien bilden können.

Den Pforzheimer Forschungsbericht Nr. 11: Möller Klaus; Bunkert, Stefanie: „Optimierung der Leistungsfähigkeit manueller Kommissioniersysteme“ finden Sie hier zum Download.

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