Gleichstellung und Chancengleichheit 

Selbstbehauptungstraining - ein Angebot für Studentinnen und Mitarbeiterinnen der Hochschule Pforzheim

Inhaltlich geht es bei den Veranstaltungen um folgende Fragen, die besprochen werden und für die - soweit möglich - das richtige Verhalten eingeübt wird:

  • Wie kann ich durch mein Verhalten Gefahrensituationen vermeiden?
  • Habe ich nötigenfalls die richtige Strategie, um einen unbekannten Angreifer erfolgreich abzuwehren?
  • Wie behaupte ich mich gegen Fremde?
  • Wie rufe ich richtig Hilfe?
  • Was tu ich, wenn es doch mal "brenzlig" wird?
  • Wie verhalte ich mich, wenn ich doch mal Opfer geworden sein sollte?

Der Kurs wird von der Polizei durchgeführt. Organisiert und initiiert wird er gemeinsam vom AStA, den Gleichstellungsbeauftragten und den Beauftragten für Chancengleichheit.

Termine im Sommersemester 2011:

02.05. / 09.05. / 16.05. / letzter Termin nach Absprache jeweils ab 19 Uhr im Raum W 1.3.01 (Tiefenbronner Straße)

Die Veranstaltungen bauen jeweils aufeinander auf und können nicht einzeln besucht werden. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist erforderlich.

Informationen und Anmeldung bei:

Doreen Kaden
Tel. 07231/28-6045
mailto:doreen.kaden@hs-pforzheim.de

Eindrücke aus den Trainings der vergangenen Semester:

  Es beginnt ganz harmlos. Der Mann fragt die junge Frau, ob sie jeden Tag zur gleichen Zeit mit dem Zug fährt und wo sie arbeitet. Nach wenigen Sätzen kennt er ihre Gewohnheiten und weiß, wo sie wohnt. In diesem Fall ist nichts passiert. Denn der Mann ist Polizeioberkommissar Dirk Schäfer von der Polizeidirektion und führt mit Kriminalkommissarin Birgit Hammer in der Hochschule Pforzheim einen Selbstbehauptungskurs für Frauen durch. 

Hammer wirft der jungen Frau ein Tuch zu. Sie fängt es und lächelt gequält: „Ja ich weiß, aber wir haben uns doch ganz unverbindlich unterhalten!“ Das Tuch symbolisiert, wie Eltern vor allem Mädchen beibringen, immer höflich und weder abweisend noch ablehnend zu sein. Die vielen Tücher, die zuvor einer Teilnehmerin über Mund, Augen, Nase, Ohren, Hände, Füße, Beine und den Kopf gebunden wurden, um die vielen „Du sollst nicht“-Gebote der Erziehung zu zeigen, fliegen oft an den vier Tagen des Selbstbehauptungskurses.

„Abblocken oder sogar lügen, wenn einem jemand zu nahe kommt, das macht man nicht“, beschreibt Hammer die Gedanken vieler Teilnehmerinnen, „aber gleichzeitig sagt euch euer Bauchgefühl, dass es unangenehm ist, jemanden so nahe an sich heran zu lassen. Wir wollen euch ermutigen, in jeder Situation auf euer Bauchgefühl zu hören.“

„Werkzeuge für euren Werkzeugkasten“, nennt Schäfer alle vorgestellten Strategien, „jede packt das in ihre Kiste, was sie für sich umsetzen kann.“ Die Palette ist groß. Neben Haltungs-, und Sprechübungen werden Verhaltensweisen trainiert und wirkungsvolle Selbstverteidigungstechniken erlernt.

Wichtig ist den Kommissaren, den Teilnehmerinnen zu zeigen, dass durch eine aufrechte Körperhaltung, ein fester Blick und ein starkes „Nein“ viele gefährliche Situationen vermieden werden können. „Wir wollen den Tätern die Opfer nehmen und zeigen, dass sich wehren lohnt“ formuliert Hammer einige Ziele des Kurses. In nachgestellten Alltagsszenen lernen die Teilnehmerinnen wie sie sich gegen die Annäherungsversuche des Bösewichts Schäfer wehren können. Manche stoßen dabei in der Übung an ihre Grenzen. Aber jede schafft es, sich durchzusetzen, jede schlägt Schäfer, zum Teil im wahrsten Sinne des Wortes, in die Flucht. 

Die Kursinhalte sind nur grob vorgegeben, durch eigene Erfahrungen füllen die Teilnehmerinnen dieses „Skelett“ mit Leben. Dabei vergeht die Zeit wie im Flug, jede der Sitzungen dauert länger als die vorgegebenen zwei Stunden.

Durch kleine Hausaufgaben können die Frauen Erlerntes zuhause umsetzen, zum Beispiel in der Fußgängerzone entgegenkommende Menschen dazu bringen, auszuweichen: „Ich hätte nie gedacht, dass das so leicht funktioniert“, berichtet eine Studentin erstaunt von ihren Erfahrungen.
Aber auch das Szenario wird durchgespielt, wenn eine der Frauen oder eine Bekannte sexuell missbraucht wurde. „Ganz wichtig ist“, betont Hammer „macht immer eine Anzeige, auch wenn ihr geduscht habt, der Missbrauch lange zurück liegt oder ihr den Täter kennt. Niemand darf mit einem Sexualdelikt ungestraft davon kommen.“ 

Eine Teilnehmerin fasst zusammen, worin sich alle einig sind: „Der Kurs ist spitze. Jede Frau sollte so einen Kurs machen.“

Informationen zu allen Präventionsangeboten für Kinder und Erwachsene gibt es bei Dirk Schäfer unter (07231) 1 85 57 22.

 

 
 
Bilder: Karalus